
Knie knacken
Was
kann dahinterstecken, wenn die Knie knacken? Wenn es knackt bei jedem
Schritt, wenn ein spürbarer Widerstand die Beugung des Kniegelenks
erschwert, gefolgt von dem Knackgeräusch, das befreiend und
beängstigend zugleich wirkt? Wenn man beim Hinhocken die Aufmerksamkeit
der Umstehenden auf sich zieht, die das Gefühl haben müssen, neben
ihnen wäre gerade ein Knochen gebrochen?
Ein
knackendes Knie kann viele Ursachen haben und ist in aller Regel erst
einmal nichts allzu Wildes. Schon zu Schulzeiten gab es jedoch
verschiedene Empfindungen angesichts knackender Gelenke: Manch einer
machte sich damals ein Hobby daraus, möglichst viele Gelenke wahllos
zum Knacken zu bringen. Wie so oft in der Welt der Medizin ist hier die
individuelle Körpereinschätzung von Person zu Person sehr
unterschiedlich.
Was lässt sich also allgemeingültig
festhalten? Befragt man die Orthopäden, so wird niemand angesichts
knackender Fingergelenke zum Skalpell greifen. Beim Knie ist die
Toleranzgrenze vielleicht etwas enger gesteckt, doch auch hier gilt:
Solange keine Schmerzen oder Schwellungen bestehen, ist von der
Harmlosigkeit des Geräusches fest auszugehen.
Prinzipiell
gibt es verschiedene Theorien zur Entstehung des Knackens. Eine gängige
Erklärung lautet, dass sich im Gelenkspalt innerhalb der Synovia, der
Gelenkflüssigkeit, kleine Luftblasen bilden, die dann bei plötzlichen
Bewegungen des Gelenkes hin und her bewegt werden oder förmlich
"zerplatzen". Für einen Mediziner ist diese Theorie eher schwer
vorstellbar. Wahrscheinlicher ist die Erklärungsvariante, dass die
Gelenkhaut, die am Rande des Gelenkes umklappt, eine Falte bildet,
welche dann bei den mahlenden Knochenbewegungen im Gelenk hin und her
knackt.
Möglicherweise können natürlich
Unregelmäßigkeiten und Unebenheiten des Gelenkknorpels den
Bewegungsspielraum dieser Gelenkshautfalten stark einschränken und
damit ein Knacken begünstigen. Dies kann eventuell auf eine
Abnutzungserscheinung, also eine Arthrose hindeuten, kann aber auch
einfach anlagebedingt sein.
Grundsätzlich sind
besonders Sportler vom Gelenkknacken betroffen. Diese empfinden es
häufig als "normales" Geräusch ihres Körpers. Wer seine Muskulatur
einseitig belastet, wie es beispielsweise Jogger tun, kann hier auch
dauerhafte Muskelverkürzungen provozieren, welche sich natürlich in der
Folge auch auf die Stabilität des Gelenkes auswirken. Wenn Muskulatur
verspannt, ist die Bewegung eingeschränkt, das Gelenk blockiert
eventuell kurzzeitig und löst sich dann unter lautem Knacken.
Gleichzeitig leiern Sehnen und Bänder auf der anderen Seite des
fehlbelasteten Gelenkes aus und das gesamte Gebilde verliert an
Stabilität. Im Falle des Knies kommt dies aber im Allgemeinen seltener
vor als beispielsweise im Sprunggelenk, welches komplizierter und
filigraner aufgebaut ist und gleichzeitig noch mehr Last tragen muss.
Wenn
neben dem Knacken auch Schmerzen bestehen, sollte der Weg zum
Orthopäden gemacht werden, eventuell kann eine Kniespiegelung hier
Unebenheiten und Abnutzungen beseitigen und das Problem fürs Erste
erledigen. Ansonsten muss man wohl sagen: Regelmäßige Dehnübungen und
Muskelaufbau beziehungsweise gesunder Ausgleichssport haben noch keinem
geschadet. Und das Schwimmen und Radfahren gesünder für die Gelenke
sind als Joggen oder Handball spielen, ist im Prinzip auch
offensichtlich.
Knacken sollte, wenn es irgendwie
geht, vermieden werden, ist aber auch kein Anlass, sich nicht mehr zu
bewegen.
URL des Artikels: http://eurogrube.de/gesundheit-fitness/knie-knacken.htm