
Rezension schreiben
Wer
sich mit Kunst, Literatur und Musik beschäftigt, möchte auch gern seine
Eindrücke mit anderen teilen und diskutieren. Oft genug ist der Impuls
da, das Erlebte schriftlich niederzulegen, z.B. in einer Email, wenn
man Freunden oder Bekannten davon berichtet. Manch einer sagt sich
dann, dass er am besten gleich eine Rezension hätte schreiben sollen.
Aber eine Rezension ist mehr als nur die Schilderung von Eindrücken und
Erkenntnissen.
Was
ist eine Rezension?
Das Wort kommt aus
dem Lateinischen und bedeutet im Ursprung „Musterung“ – also die
Einschätzung einer Person, eines Gegenstandes oder einer Leistung
hinsichtlich ihres Nutzens für den Zweck, den sie erfüllen soll.
In
der Kunstbetrachtung hat sich die Wahrnehmungsebene verkehrt – die
Leistung ist erfolgt und wird im Nachgang bewertet. Gebräuchlich ist
dafür auch der Begriff „Kritik“, die natürlich auch ausgesprochen
positiv sein kann. In den Medien dient sie als Orientierung für
Interessierte, die sich des fachkundigen Rates versichern wollen, ob
die Inszenierung einer Aufführung, die Qualität eines Films oder der
Anspruch eines Buches auch ihren eigenen Erwartungen entspricht.
Eine
Rezension muss also immer allgemeine Aussagen treffen und trotzdem die
Individualität der Künstler berücksichtigen. So vielschichtig ein
Kunstwerk ist, so reichhaltig sind auch die Betrachtungsebenen.
Muss eine Rezension neutral sein?
Die
Bewertung von Kunst kann nicht neutral sein, weil diese Gefühle
auslöst. Eine neutrale Beurteilung wäre also als Orientierung nutzlos.
Die Rezension lebt auch immer vom Standpunkt des Kritikers. Sofern er
eine konträre Meinung zur Intention der Künstler oder deren
Gestaltungsweisen hat, muss er diese aber auch begründen.
Je
pointierter er das tut, umso eher werden ihm die Leser folgen. Je
genauer er sich mit dem Gegenstand der Betrachtung auskennt, desto
besser kann er auch Fachleute von seiner Einschätzung überzeugen. Wer
eine Rezension schreiben will, muss sich zuallererst fragen, ob er
seine Eindrücke begründen kann. Ohne Kompetenz in dem betreffenden
Gebiet wird das schwer möglich sein.
Welche Punkte muss eine Rezension
umfassen?
Jedes Kunstwerk hat eine
Botschaft, hinter jeder künstlerischen Leistung steht eine
Persönlichkeit. In der Rezension beantwortet der Kritiker die Frage,
mit welchen Mitteln der Künstler seine Aussage erreicht oder aus Sicht
des Betrachters auch verfehlt hat. Bei einem Autor kann sich die
Rezension an literarische Standards wie Erzählweise, dramaturgische
Struktur oder Stil halten.
Inszenierungen müssen
sich an der Vorlage messen lassen, ebenso wie musikalische
Aufführungen. Hier, vielmehr aber noch beim Film, kommen noch
technische Fragen sowie die Einzelkritik von Schauspielern und
Regisseuren ins Spiel. Bei der Pop- und Rockmusik übersteigt die
Bedeutung eines Stars sehr oft die Qualität dessen, was er als
„Performance“ geliefert hat. Der Kritiker muss in der Lage sein, auch
den „handwerklichen“ Standard bewerten zu können.
Hintergründe und Vergleiche sind
sehr wichtig
Kunstwerke erschließen
sich meist nur im Kontext, d.h. in den Beziehungen, zu denen sie mit
gesellschaftlichen Entwicklungen stehen. Aber auch die Persönlichkeit
des Künstlers, seine Einstellungen und Motivationen sind
Grundbedingungen für das Entstehen seiner Werke. Deswegen ist jede
Rezension gut beraten, nicht nur den augenblicklichen Stand einer
künstlerischen Entwicklung zu bewerten, sondern sie zu bisherigen und
vergleichbaren Leistungen in Beziehung zu setzen.
URL des Artikels: http://eurogrube.de/ausbildung-beruf-karriere/rezension-schreiben.htm